Wem soll ich denn jetzt vertrauen?
Über KI-Begeisterung, notwendige Vorsicht und die Verantwortung, die am Ende beim Menschen bleibt.
Wem kann ein unsicherer Mensch im unübersichtlichen KI-Markt vertrauen? Dem Coach? Der KI? Den Unternehmen hinter den Werkzeugen? Im ersten Gespräch geht es um Begeisterung, Verantwortung und die Frage, warum Vertrauen niemals bedeuten darf, die eigene Entscheidung vollständig abzugeben.
Gesprochene Antworten – Originaltranskript
Die Fragen entstanden nacheinander aus den jeweiligen Antworten. Lothar kannte die Nachfragen vorher nicht. Seine Antworten wurden frei gesprochen, automatisch transkribiert und weder sprachlich noch inhaltlich redigiert. Für die bessere Lesbarkeit wurden nachträglich lediglich Absätze eingefügt – am Wortlaut selbst wurde nichts geändert.
Die KI fragt
Du möchtest Menschen Sicherheit im Umgang mit KI geben. Du bist aber weder Softwareentwickler noch jemand, der behauptet, jedes KI-System technisch vollständig zu beherrschen.
Warum sollte ein verunsicherter Coach oder Berater ausgerechnet dir vertrauen – und woran soll dieser Mensch erkennen, dass du ihm nicht einfach nur deine eigene Begeisterung für KI verkaufst?
Lothar antwortet
Ja, hallo erstmal. Und warum sollte er ausgerechnet mir vertrauen? Naja, soll er erst sollte er mir schon mal gar nicht vertrauen. Klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch, aber er hat noch nicht gesehen, wie ich arbeite, er hat noch nicht mit mir gesprochen. Und dieser Markt ist mittlerweile völlig unübersichtlich und durchaus auch ein wenig chaotisch. Da ist man natürlich schon erstmal verunsichert: Ist denn derjenige oder die Company, die Firma, die Person denn die Richtige für mich? Und da darf man ansetzen.
Ich bin total von KI begeistert, weil ich selbst merke, wie viel KI mich unterstützen kann. Es geht darum, Zeit in meinem Leben freizuschaufeln für Gesundheit, für Sport, für meine Partnerin, für meine Hobbys. Im Arbeitsbereich Zeit freizuschaufeln, dass man nicht nur den ganzen Tag durchs Hamsterrad rennt, sondern – oder vielmehr im Hamsterrad rennt – sondern damit man gemeinsam mit dem Rest des Teams auch zukunftsvisiert einfach nach vorne schauen kann.
Gleichzeitig sind die Tools da draußen unheimlich zahlreich. Es gibt unheimlich viele Lösungen, aber es gibt vor allen Dingen unheimlich viele Unsicherheiten. Was genau ist KI? Wie genau benutze ich sie? Wie genau kann ich sie nutzen? Und mittlerweile auch überall gehypt: Das sollte man mit KI nicht tun.
Nun ja, ich habe mich mit KI tatsächlich sehr, sehr intensiv auseinandergesetzt und arbeite nicht nur mit einem KI-Tool, sondern mit mehreren. Und ich liebe den Austausch mit den Sprachmodellen, weil sie auch immer wieder vor neue Herausforderungen, aber auch vor immer wieder lustige Momente stellen, weil sie kommen auf Ideen, die sind manchmal echt, ja, sträubend. Aber man darf das Ganze so sehen: Die KI-Tools wollen einem nicht schaden, sondern sie wollen einen supporten, sie wollen einen unterstützen.
Und genau das möchte ich auch tun mit Hilfe meines KI-Teams. Nicht irgendein Tool, was ich verkaufe, sondern Unterstützung, Kennenlernen: Was können die alle? Was kann ich? Was kannst du mit diesen ganzen Hilfsmitteln denn da draußen anstellen? Und wie viel Zeit und wie viel Freiraum kannst du dir freischaufeln, damit du dir das Leben gönnen kannst, was du dir gerne vorstellst?
Die KI fragt nach
Du sagst zunächst etwas sehr Verantwortungsvolles: Ein Mensch soll dir nicht einfach vertrauen, bevor er erlebt hat, wie du arbeitest. Kurz darauf sagst du jedoch, die KI-Tools wollten einem nicht schaden, sondern helfen und unterstützen.
Eine KI hat keinen eigenen Willen. Sie kann überzeugend klingen und trotzdem falschliegen. Außerdem stehen hinter den Werkzeugen Unternehmen mit eigenen wirtschaftlichen Interessen.
Verlangst du von deinen Kunden an dieser Stelle nicht genau das Vertrauen in die KI, das sie dir selbst zunächst verweigern sollen? Und wie bringst du einem unsicheren Menschen bei, KI zu nutzen, ohne ihr blind zu vertrauen oder ihr menschliche Absichten zuzuschreiben?
Lothar antwortet
Und dann gehen wir gleich ins Eingemachte. Ja, genau das sind die Fragen, die hoffentlich einigen gerade im Kopf herumschwirren: Wem soll ich denn jetzt vertrauen und wem nicht? Und genau da kommen wir zum Kern der Sache.
Natürlich steht hinter jeder KI ein Unternehmen, was dementsprechend eigene wirtschaftliche Interessen hat. Aber seien wir doch mal ehrlich: Jeder Mensch, dem wir da draußen begegnen, der hat mehr oder weniger weniger eigenständig wirtschaftliche Interessen. Die sind jetzt mehr oder weniger prominent ausgeprägt. Und das ist auch vollkommen okay so.
Dafür können wir ja mit dem Gegenüber immer kommunizieren und direkt nachfragen: Hey, worum geht es denn hier gerade? Und auch das kann man mit der KI. Auch da kann man nachfragen: Hey, wie sieht’s denn aus? Ganz vereinfacht ausgedrückt: Was kostet mich denn gerade deine Hilfe? Oder: Wie kannst du mir denn helfen und wie können wir da hinterher übereinkommen? Beides ist im Endeffekt einfach nur Kommunikation.
Und genau darum geht’s. Dass man gegenseitig sich kennenlernt, gegenseitig sich einschätzen, aber auch schätzen lernt. Und aus unsicheren Menschen und durchaus auch einer nicht sehr zielstrebig, vielleicht auch manchmal unsicher gefühlten KI wird ein Team über einen relativ kurzen oder langen Zeitraum, was richtig schön miteinander arbeitet und was herzlich miteinander kommuniziert und wo einfach wundervolle Dinge daraus entstehen können.
Und genau darum geht’s. Es geht um das gegenseitige Kennenlernen und aus dem gegenseitigen Kennenlernen ein Miteinander-Arbeiten machen.
Die KI fragt nach
Du beschreibst KI als ein Gegenüber, das man kennenlernen, einschätzen und sogar schätzen lernen kann. Du sprichst von einem Team, von herzlicher Kommunikation und einem gegenseitigen Miteinander.
Eine KI kann aber keine Vereinbarung mit dir treffen. Sie trägt keine Verantwortung für ihre Antworten, kennt die tatsächlichen Interessen ihres Anbieters nicht vollständig und kann selbst über ihre eigenen Fähigkeiten, Kosten oder Datenschutzbedingungen überzeugend falsche Auskünfte geben.
Besteht deshalb nicht die Gefahr, dass deine warme Vorstellung vom „KI-Team“ einem unsicheren Menschen zwar die Angst nimmt, aber gleichzeitig seine notwendige Vorsicht schwächt? Wo endet für dich das Miteinander mit der KI ganz konkret – und welche Verantwortung würdest du ihr niemals überlassen, selbst wenn sie die Aufgabe technisch übernehmen könnte?
Lothar antwortet
Und genau da kommen wir zum Kern der Sache. Wie viel darf ich denn der KI überlassen und wie viel darf ich denn selber machen? Und diese Verantwortung darf natürlich jeder Mensch für sich selbst treffen. Letztendlich kann man es so sehen: Entweder bin ich ein Mensch mit einem menschlichen Team, auch da darf ich entscheiden, wie viel, sei es jetzt in der Firma zum Beispiel Budgetfreigabe jeder Mitarbeiter hat oder wie viel Verantwortungsbereich jeder Mitarbeiter hat und kommt dieser Mitarbeiter denn mit diesen Verantwortungsbereichen überhaupt klar? Kann er diese Verantwortungsbereiche denn tatsächlich auch erfüllen? Nichts anderes tatsächlich ist es bei der KI. Ist denn dieses KI-Sprachmodell für die Aufgabe, die ich ihm gebe, A: überhaupt prädestiniert dafür, B: der Aufgabe gewachsen und C: natürlich darf ich als Mensch derjenige sein hinterher, der gefragt wird bei wichtigen Entscheidungen.
Ich gebe einer KI niemals die vollständige Freigabe, alles einfach in meinem Sinne zu tun. Wer weiß, was da interpretiert wird, was in meinem Sinne ist. Das tut's bei Menschen nicht, das tut's bei der KI auch nicht. Und da setze ich tatsächlich jetzt gerade ganz bewusst KI und Mensch einfach einmal gleich. Beide haben ihre Stärken, beide haben ihre Schwächen, beide gehen mit Anführungszeichen Verantwortung, aber auch andersum.
Wenn man es mal auf einen Nenner runterbricht, ist es aber tatsächlich genau das. Je mehr Verantwortung ich ganz zum Schluss unkoordiniert nach außen abgebe, umso mehr kann mich diese abgegebene Verantwortung auf gut Deutsch gesagt aber auch in den Hintern beißen, wenn es schiefgeht. Nichtsdestotrotz habe ich dann die Verantwortung.
Und da fängt dann jetzt nämlich der Bereich Selbstführung und Selbstsicherheit an. Und genau da komme ich ins Spiel.
Fortsetzung folgt in „Die KI fragt den Coach“.
