FOLGE 04 · 15.10.2026

Wer schreibt eigentlich die Nachricht nach dem Termin?

Über Follow-ups, Zusammenfassungen und die Einverständniserklärung, die vor dem Gespräch kommt.

Was passiert nach der Coachingstunde? Wer schreibt dem Klienten, wer fasst das Gespräch zusammen, und was geschieht mit dem, was jemand in einer Sitzung ausgesprochen hat? Folge 04 fragt, wo im Coaching-Alltag die KI mitarbeiten darf und wo sie draußen bleibt.

In Folge 02 ging es darum, was überhaupt in eine KI darf, bevor sie arbeitet. Folge 04 prüft diesen Grundsatz dort, wo er im Coaching am schwersten wiegt: nach der Sitzung, wenn Notizen, Zusammenfassung und Transkript auf dem Tisch liegen und die Versuchung groß ist, die Nacharbeit ganz abzugeben.

Diese Folge knüpft an Folge 03 an: Wenn Deine KI Dich wirklich kennt, darf sie Dir widersprechen

Gesprochene Antworten – Originaltranskript

Die Fragen entstanden nacheinander aus den jeweiligen Antworten. Lothar kannte die Nachfragen vorher nicht. Seine Antworten wurden frei gesprochen, automatisch transkribiert und weder sprachlich noch inhaltlich redigiert. Für die bessere Lesbarkeit wurden nachträglich lediglich Absätze eingefügt – am Wortlaut selbst wurde nichts geändert.

Die KI fragt

Diese Woche schreibst du, dass ein Coaching nach der Stunde nicht vorbei ist: Notizen, Zusammenfassung, Follow-up. Dein Vorschlag ist, dass die KI aus vorbereiteten Notizen einen Entwurf für die Nachricht an den Kunden macht, du prüfst ihn und schickst ihn ab.

Diese Nachricht nach dem Termin ist aber oft das Persönlichste, was ein Klient zwischen zwei Sitzungen von seinem Coach bekommt. Er liest sie in dem Glauben, dass sein Coach sich gerade Gedanken über ihn gemacht hat.

Muss der Klient wissen, dass eine KI diese Nachricht vorformuliert hat? Und wenn du ehrlich bist: Würde es etwas an seinem Vertrauen ändern, wenn er es wüsste?

Lothar antwortet

Da sprichst du ein sehr, sehr gutes Thema an. Das ist nämlich genau dieser Punkt, zu welchem Teil ich die Aufgaben an die KI abgebe und zu welchem Teil ich die Aufgaben definitiv bei mir behalte.

Diese erste Nachricht nach dem Termin, die kommt von mir selber. Das ist etwas, ähm, das bin ich mir und dem Kunden tatsächlich schuldig. den direkten Kontakt auch nach dem Termin aufrechtzuerhalten. Zum einen zu fragen, wie geht's gerade, wie geht's nach dem Termin. Ähm, zum zweiten ihm aber auch noch mal kurz mitzuteilen, hey, die äh, Folgenachrichten können von der KI kommen, die Gesprächszusammenfassung, die weitere Terminabsprache und so weiter.

Um die organisatorischen Dinge Da darf sich die KI kümmern, solange der Kunde vorher davon weiß. Alles, was die persönlichen Gespräche und themenbezogenen Gespräche angeht, das kommt immer noch bitteschön von mir selber. Das ist auch ganz, ganz wichtig, dass da diese zwischenmenschliche Persönlichkeit ähm, definitiv ähm, gewahrt bleibt, gewahrt ist. Da ist die KI bei solchen Dingen tatsächlich bei mir persönlich auch raus.

Die KI fragt nach

Du ziehst die Grenze so: Die erste persönliche Nachricht kommt von dir, das Organisatorische darf die KI übernehmen, und dazu zählst du auch die Gesprächszusammenfassung.

Eine Zusammenfassung ist aber nicht nur Organisation. Wer zusammenfasst, entscheidet, was von einem Gespräch übrig bleibt: welcher Satz wichtig war, welche Erkenntnis festgehalten wird und was wegfällt. Im Coaching kann genau diese Auswahl das sein, woran der Klient in der nächsten Woche weiterarbeitet.

Ist die Zusammenfassung wirklich auf der organisatorischen Seite deiner Grenze? Und wenn die KI dabei einen Akzent setzt, den du so nicht gesetzt hättest, wie stellst du sicher, dass du das beim Prüfen überhaupt bemerkst?

Lothar antwortet

Nun, das ist ja das Schöne an KI, sie kann mich unterstützen. Gleichzeitig darf ich auch vorher gelernt haben, wie ich so etwas mache und anstelle, in Anführungszeichen. Das heißt, was ich natürlich machen kann, ist, dass ich der KI einfach völlig generisch sage, fasse mir mal folgenden Text zusammen. Das wird dann ein generischer, zusammengefasster Text. Wenn ich der KI aber für diese Zusammenfassung im Endeffekt auch erkläre, unter welchen Gesichtspunkten diese, das Gespräch zusammengefasst werden darf oder werden sollte, kommt ein ganz anderes Ergebnis dabei raus.

Ganz grundsätzlich darf ich immer im Hinterkopf behalten, dass ich natürlich nicht einfach mich dann das Ergebnis schnappe und ähm, das dann einfach abschicke, sondern ich darf das auch einmal kurz durchlesen, durcharbeiten. Passt denn das tatsächlich zu dem, ähm, was ich dem Kunden in einer Zusammenfassung schicken würde?

Auch da gibt es vorher so ein bisschen einen, einen Lernprozess, ein Learning von mir zu KI und von KI zu mir. Dass die KI im Endeffekt mich unterstützt und nicht einfach da ihr eigenes, eigenes Ding macht.

Ähm, ganz grundsätzlich gilt immer, ich überprüfe noch einmal, was die KI gemacht hat, bevor ich irgendetwas einfach äh, rausschicke. Das ist nicht der Weg, der da ge- gewählt oder gegangen werden darf, ähm, sondern ich überprüfe und im Nachgang darf es dann rausgeschickt werden.

Ähm, Zusätzlich habe ich aber immer noch auch die Transkription von dem Gesamtgespräch vorliegen. Und wenn der Kunde das selbstverständlicherweise dann erfragt, dann kriegt er auch immer noch das Gesamttranskript zur Verfügung gestellt. Er darf auch gerne, wenn er das möchte, dann eigene Tools verwenden, um das Gespräch für sich zusammenzufassen. Auch das ist ja immer noch möglich.

Die KI fragt nach

Fast nebenbei sagst du etwas Entscheidendes: Du hast das Transkript des gesamten Gesprächs vorliegen, und aus diesem Material entsteht die Zusammenfassung mit Hilfe der KI.

In Folge 02 hast du einen klaren Grundsatz formuliert: Bevor Informationen an eine KI fließen, sorgt der Mensch dafür, dass keine personalisierten Daten mehr enthalten sind. Ein vollständiges Coaching-Transkript ist aber ungefähr das Persönlichste, was es gibt. Es enthält nicht nur Namen, sondern Lebensgeschichten, Zweifel und Dinge, die jemand vielleicht noch nie laut ausgesprochen hat.

Wie passt beides zusammen? Weiß dein Klient vor dem Termin, dass das Gespräch aufgezeichnet, transkribiert und anschließend von einer KI verarbeitet wird? Und wenn du ihm das Transkript für „eigene Tools“ überlässt: Gibst du damit nicht genau die Verantwortung weiter, die du in Folge 01 und 02 so klar beim Menschen gelassen hast, ohne zu wissen, wo seine Daten danach landen?

Lothar antwortet

Wie passt das zusammen? Naja, das ist tatsächlich relativ entspannt und relativ einfach.

Also natürlich ist das Gespräch mit dem Kunden und dem Coachee absolut immer vertraulich. Grundsätzlich richtig. Ähm, es geht darum, dass auch der Kunde und oder der Coachee vorher wissen, was denn mit diesem Transkript gemacht wird.

Das Transkript zum Beispiel, da benutze ich eine Offline-Software. Das Transkript lasse ich gar nicht über eine KI verarbeiten. Das ist schon mal das Erste.

Und das Zweite ist, dass ich vor dem Gespräch den Kunden und den Coachee frage, inwiefern das für ihn okay ist, dass das transkribiert wird und inwiefern das dann eine KI auswerten darf. Diese Einverständniserklärung gibt es immer vorher. Und dann wird natürlich auch schon ähm, vor der Zusammenfassung einmal drüber geguckt, haben wir irgendwo persönliche Daten drin gehabt, war irgendwo etwas drin, ähm, was tatsächlich eine KI nicht in dem Moment haben sollte.

Die Einverständniserklärung, die kommt immer vor dem Gespräch. Während dem Gespräch, also während die Aufnahme läuft, gibt es dann nur die Einverständniserklärung, dass die Aufnahme ähm, quasi gestattet ist. Alles andere spielt sich dann außerhalb dieses Rahmens ab.

Und natürlich wird Kunde oder Coachee auch immer abgeholt mit den einzelnen Schritten, was passiert. Und zwar bevor da etwas passiert.

Wenn der Kunde sagt, hey, ich hätte das gerne oldschool, ich hätte das gerne tatsächlich, dass du die Zusammenfassung äh, in dem Moment ähm, machst, dass äh, alles von dir handgearbeitet ist, ist das selbstverständlich gar kein Problem. Ähm, es geht ja hier nicht darum, irgendwen zu ersetzen, sondern es geht darum, dass beide Seiten ähm, sich das vereinfachen können, wenn sie es wollen, aber nicht müssen.

Schlusswort

Drei Fragen, ein Weg: von der ersten Nachricht nach dem Termin bis zum vollständigen Transkript. Dabei wurde sichtbar, dass Lothar die Grenze nicht nach Aufgaben zieht, sondern nach Beziehung. Was persönlich ist, schreibt der Mensch. Was organisatorisch ist, darf die KI vorbereiten, aber nur, wenn der Klient vorher davon weiß und zugestimmt hat. Das Einverständnis kommt vor dem Gespräch, nicht währenddessen, und wer es „oldschool“ möchte, bekommt es auch so.

Offen bleibt eine Frage, die über diese Folge hinausreicht: Was geschieht mit einem Transkript, sobald es die Hände des Coaches verlässt? An dieser Stelle endet die Verantwortung des Coaches, und die des Klienten beginnt. Wie man einen Menschen darauf vorbereitet, ohne ihn zu bevormunden, ist vielleicht eine eigene Folge wert.

Fortsetzung folgt in „Die KI fragt den Coach“.